93. KSK in Bern

Bern, 2.-5. November 2017, «Frouäsach»

Webseite: www.kskbern.ch (Facebook)

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Call for Papers

„Making feminism a threat“: unter diesem Motto fand in Berlin am 8. März 2017 der internationale „Frauenkampftag“ statt. Die linksradikale Perspektive forderte eine Reaktualisierung und neue Bedrohlichkeit des Feminismus ein, dabei wurden aber auch queer practices reflektiert und stereotypisierte Rollenbilder ebenso wie das Verhältnis von Staat, Kapital und Patriarchat in Frage gestellt. Zeitgleich schwappte eine Welle des Wohlfühl-Feminismus über die westliche Welt, deren Kampfansage weit weniger bedrohlich wirkte. Millionen Frauen strickten sich kollektiv und aus Protest gegen Donald Trump ihre eigene, pinke Pussyhat.

Mit dem 93. Kunsthistorischen Studierendenkongress (KSK) in Bern möchten wir eine von der Kunstgeschichte lange unter dem Label „Rolle der Frauendarstellung in der Kunst“ verhandelte Thematik neu aufgreifen und in aktuelle kunstwissenschaftliche Diskurse einbetten. Denn das Verhältnis zwischen Bildern und Weiblichkeit geht notwendigerweise über die Untersuchung der Ikonographie der Frau hinaus. Es umfasst gleichermassen Fragen der Geographie, der Produktion, des Gender, der Bildhaftigkeit, des Sammelns, der Kritik, des Kontexts oder der Rezeptionsästhetik von Kunst und funktioniert in dieser Vielseitigkeit auch als idealer Raum zur Diskussion von kulturwissenschaftlichen Ansätzen.

Diese beiden Widerstandsbewegungen offenbaren zwei komplett konträre Blicke auf Weiblichkeit, biologisches Geschlecht und Gender. Die Webseite der kämpferischen Bewegung ziert das auf dem Teller präsentierte, geköpfte Haupt Holofernes‘, während das Pussyhat-Projekt friedvoll über pinke Strickmuster verbreitet wird und zumindest äusserlich kaum emanzipatorische Ansätze zeigt. Im Hinblick auf Rosemarie Trockels Strickbilder der 1980er-Jahre, in denen die Künstlerin das negativ besetzte weibliche Heimhandwerk durch ihre Stick- und Strickbilder neu besetzte, ist deshalb die Frage berechtigt, welche emanzipatorischen Ansätze sich hinter der Pussyhat- Bewegung verbergen.

Martha Roslers Hausfrauen-Parodie „Semiotics of the Kitchen“, Gertrude Steins und Peggy Guggenheims Tätigkeiten als Mäzeninnen und Sammlerinnen oder Lina Nochlins Essay „Why Have There Been No Great Women Artists?“ sind Meilensteine der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ebenso die mit Pelz umfasste Porzellantasse Meret Oppenheims. Mit „Déjeuner en fourrure“ schuf die mit Bern stark verbundene Künstlerin und Muse ein Werk, in dem neben einem surrealistischen Moment gerne auch ein Sinnbild für Weiblichkeit und Sexualität gesehen wurde.

Innerhalb einer männlich dominierten Kunstwelt prägte zum Beispiel Elisabeth Vigée Le Brun (1755–1842) nicht nur als Malerin, sondern auch in ihrer Beziehung zu der Modistin Rose Bertin und Marie- Antoinette die Mode- und Kunstlandschaft der 1780er-Jahre bereits nachhaltig. Und auch in der nicht ganz unbeträchtlichen Zeitspanne zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert, die von dem christlichen Glauben bestimmt und deren künstlerische Tätigkeiten vor allem im Dienste der Religion ausgeübt wurden, taten sich Frauen hervor. Etwa die Kunstmäzeninnen Mathilde II. (949–1011) und Theophana (997-1058) aus liudolfingisch-ottonischem Hause, die mit ihren Schenkungen an den Essener Domschatz den Grundstock für eine der heute wichtigsten sakralen Kunstsammlungen Deutschlands gründeten. Zu erwähnen ist auch die erste Universalgelehrte in der europäischen Geistesgeschichte, Hildegard von Bingen (1098–1179), die mit ihren Miniaturen und Buchillustrationen in theologischen, naturkundlichen und medizinischen Schriften eine der namentlich bekanntesten Künstlerinnen der Buchmalerei darstellt.

Dieser kurze Abriss weiblicher Akteurinnen in der Kunst- und Bildproduktion soll nicht nur deren zentrale Rolle betonen, sondern auch auf unseren breiten kunstwissenschaftlichen Ansatz verweisen. Die Bereiche Architektur, Design oder textile Künste sind ebenso von Interesse wie soziologische, wirtschaftswissenschaftliche oder historische Herangehensweisen an den Gegenstand. Studierende finden im KSK eine Plattform, ihre Forschungen und Positionen vorzustellen, kritisch zu diskutieren und neue Netzwerke zu knüpfen. Die Teilnahme aller Semester ist ausdrücklich erwünscht!

Bewerbungsfrist: 04.09.2017

Anmeldung und weitere Informationen auf der Webseite und auf der Facebook-Seite des 93. KSK.

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