92. KSK in Münster

Münster, 15.-18. Juni 2017, «Projekt, das»

Webseite: www.kskmuenster.de (Facebook)

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Foto: Jana Bernhardt

Was ist ein Projekt? Der Duden definiert es als „[groß angelegte] geplante oder bereits begonnene Unternehmung; [groß angelegtes] Vorhaben“. Doch auch jede Art der Kunstproduktion kann als ein Projekt verstanden werden. Es sind gestalterische Unterfangen, die einem Auftrag, einer ästhetischen Vision oder Inspiration folgen, die sich gegen Tradition und Normen der Kunstwelt wenden können.

Welche Prämissen beeinflussen künstlerische Projekte? Wie wird damit kreativ umgegangen? Können die Konstrukte realisiert werden oder scheitern sie auf ganzer Linie?

Künstlerkollegen, Auftraggeber, Galeristen und auch die breite Masse können Einflüsse auf künstlerische Entwicklungen, den individuellen Künstler und dessen Vorhaben nehmen. Sie setzen die Impulse für neue Kunstprojekte.

Das Projekthafte ist demnach ein Thema, das für das Feld der Kunstgeschichte von immer währender Brisanz ist. Zu jeder Zeit spielten Wechselwirkungen zwischen unterschied-lichen Protagonisten der Kunstwelt im Zuge von künstlerischen Schaffensprozessen eine Rolle. Zu jeder Zeit führten Dialoge, Diskussionen, Zwischenstadien, verworfene Pläne zu neuen Projekten. Ursprünglich geplante Vorhaben und Ziele wurden immer wieder zugunsten innovativerer Ideen verworfen und neu in Angriff genommen.

Im thematischen Fokus des 92. Kunsthistorischen Studierendenkongress vom 15. bis 18. Juni 2017 in Münster sollen deshalb künstlerische Projekte stehen, die sich in ihrer Genese durch Dialog und Prozess herausgebildet und ihren Charakter erhalten haben.

Call for Papers

Der Projektbegriff ist seit jeher ein grundlegender Bestandteil der Kunstgeschichte. Ob im Kontext des Zusammenwirkens verschiedener Künstler, als nie realisierte Phantasie oder als autonomes Thema eines Kunstwerks – immer liegt dem Projekt ein spannungsreicher  und herausfordernder, bisweilen sogar vergeblicher Prozess zugrunde.

Dass auch dem Austragungsort Münster etwas Projekthaftes innewohnt, mag nicht gleich augenfällig erscheinen, doch die Stadtgeschichte ist nicht erst seit Beginn der Skulptur Projekte im Jahr 1977 voll davon. So sorgte die Rekonstruktion des Prinzipalmarktes, Münsters „guter Stube“, nach dem Krieg für ebenso großen Diskussionsbedarf wie der Wiederaufbau des Domes ohne das ursprüngliche Westportal. Und auch der Westfälische Friede von 1648 verknüpft Münster mit dem großen europäischen Projekt. Diese projekthistorische Tradition soll Anknüpfungspunkt des 92. Kunsthistorischen Studierendenkongresses sein und neue Perspektiven auf Projekt, das eröffnen.

Als Stadt der Skulptur Projekte liegt dabei auch die Kategorie der unrealisierten Projekte nahe, ist sie doch unweigerlich Teil eines solchen Langzeitprojektes. Doch warum bleiben Projekte unausgeführt bzw. unvollendet? Die Gründe können mannigfaltig sein: Umfang des Projektes, politische Rahmenbedingungen, sich verändernde künstlerische Prämissen, alle sind denkbar. Möglicherweise liegt dem Werk aber auch eine Utopie zugrunde, die  eine Umsetzung gar nicht zum Ziel hat, sondern ganz bewusst im steten Spannungsfeld zwischen Fiktion und  Realität verharrt.

Im Vergleich dazu nimmt sich die projektorientierte Zusammenarbeit von Künstlern, auch über die Gattungsgrenzen hinweg, geradezu traditionell aus. Die Kooperation zweier oder mehrerer Künstler ist aus der langen Geschichte der Kunst wohlbekannt, stellt aber auch heute noch ein Thema von Relevanz dar. Das spannungsreiche Beziehungsgeflecht zwischen den Künstlern, möglichen Auftraggebern oder auch divergierenden theoretischen Grundsätzen lässt im Hinblick auf Geschichte wie Gegenwart eine Fülle von Fragen zu. Wie gestaltet sich künstlerischer Dialog? Welche Dimensionen von Autonomie und Abhängigkeit werden verhandelt? Wie verhalten sich Tradition und Innovation zueinander? Der Fragenkatalog ist nahezu unendlich erweiterbar und bietet eine breite Grundlage für tiefergehende Diskussionen über alle Epochengrenzen hinweg.

Projekt, das kann natürlich auch Selbstzweck sein und als stete künstlerische Herausforderung wirken. Der Projektbegriff als Zentrum künstlerischen Schaffens fordert dabei nicht nur den ausführenden Künstler heraus, sondern gleichermaßen präsentierende Institutionen wie Rezipienten. Diese Aspekte sollen in der Diskussion nicht außen vor bleiben, sondern vielmehr einen Bogen spannen zwischen Künstler- und Betrachterposition.

Eure Abstracts von 2.500 Zeichen für die 20-25-minütigen Vorträge könnt ihr uns bis zum 31. März 2017 mit einem kurzen Lebenslauf an callforpapers@kskmuenster.de senden.

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