84. KSK in Zürich

Zürich, 13.-16. Juni 2013, «Entfremdung und Aneignung. Kunst in Bewegung»

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Calotypie von Daniel Laupper

«Every nation is a lie that time and history have given – as in old myths or classical legends – an appearance of truth» (Mario Vargas Llosa, Nationalism and Utopia, 1992). Trotzdem ist die Nation als Konstrukt ein fundamentaler Bezugspunkt für die traditionelle Kunstgeschichte. Oftmals wird nach geographischen Kriterien klassifiziert und zu wenig die Komplexität und Offenheit von politischen und kulturellen Grenzen thematisiert. Dabei sind Phänomene des Austauschs und Prozesse der Übersetzung ausschlaggebend für kulturelles Schaffen. Die Geschichte der Globalisierung ist so alt wie die Geschichte der Kulturen. Der Fokus auf diese Entwicklung in den letzten Jahren sowie die digitale Vernetzung scheinen jedoch im Kontrast zur gleichzeitigen Manifestierung von nationalistisch geprägten Ansichten zu stehen. Die Schweiz als Einwanderungsland und föderalistischer Staat mit vier (Sprach)Kulturen kann hierbei als Modellfall für die Thematisierung vom Spannungsverhältnis zwischen lokaler Tradition und globalem Kontext dienen. Wie aus der neueren Forschung ersichtlich wird (Homi K. Bhabha, Thomas DaCosta Kaufmann, David Summers u.a.), ist eine Auseinandersetzung mit Mobilität, Migration und Exil als Grundbedingung kultureller Prozesse relevanter denn je.

Der 84. KSK möchte unter anderem die Diskussion zu folgenden Themenbereichen anregen:

  • (Un-)freiwillige Migration des Kunstwerkes: Was bedeutet ‹Kulturtransfer›?
  • Politische Unruhen: Der Künstler im Exil
  • Rückzugsorte der Kunst: die Schweiz, die USA und anderswo
  • Künstlerische Entfremdung und Aneignung: Probleme, Potenziale, kunsthistorische Konzepte
  • Schwierigkeiten der Künstlerreise, des Einlebens, der Veränderung
  • Reisende Kritiker und Betrachter
  • Grenzüberschreitungen und Globalisierung in der Geschichte und Theorienbildung der Kunstgeschichte

Der thematische Ansatz ist bewusst global gedacht, umfasst alle Epochen vom Mittelalter bis zur Gegenwart und begreift Kunst als ein weites Gebiet, so dass eine Auseinandersetzung mit traditionellen Medien wie Malerei, Skulptur und Architektur, aber auch mit Kunsthandwerk, Design, Film, Fotografie, Performance u.a. angeregt werden soll.

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